Mittwoch, 16. April 2008

Teufel und Belzebub

Heute war ich, wie jeden Morgen, mit meinem Hund in den Feldern unterwegs.

Von vorn begegnete mir ein Trecker mit Anhänger - darauf ein riesiges gelbes Fass und eine eingeklappte Sprühvorrichtung.
Kurz darauf musste ich erneut einem ähnlichen Gefährt ausweichen.
Die Landmaschinen fuhren rechts und links auf Felder mit handhoch gewachsenem Getreidegrün, klappten ihre Sprühanlagen aus zogen dann laut und stinkend ihre Bahnen. Dabei vernebelten sie mit süßlich scharfem Duft, den der Wind bis zu uns trug, die Landschaft.

Ich bemerkte, wie sich in unmittelbarer Nähe ein Feldhase duckte. Es ist Setz- und Schonzeit! Hunde müssen in Wald und Wiesen angeleint bleiben. Richtig so.

Aber ... wer schützt Hasen und Wildkaninchen, (keine Fluchttiere, sie ducken sich bei drohender Gefahr) vor Treckern und Chemieduschen?

Unsere Wildtiere werden zunehmend gefährdet - ja, ausgerottet und die Nester von Bodenbrütern z. B. Feldlerchen und Kiebitze, durch intensive Landwirtschaft zerstört.
Jetzt wird auch noch BIO-Sprit gefördert, die intensive Spritzungen und Chemiedünger bedürfen. Unzählige BIO-Gasanlagen für nachwachsende Rohstoffe (Rapps, Mais, Klee) werden gebaut.
Das bedeutet: höheren Einsatz von Pestiziden, Herbiziden, Phosphatdüngung und großflächige Rekultivierung vormals brachliegender Flächen. Der Schutz unserer Fauna und Flora bleibt dabei außen vor.

Sehr still bin ich nach Hause gegangen - mit einem pausenlos niesendem Hund und traurigen Gedanken. Viele der wenige Wochen jungen Feldhasen werden diesen Morgen nicht überlebt haben. Im Gegensatz zu Kaninchen leben sie nämlich nicht in geschützten Höhlen, sonder ducken sich, gut getarnt, vom Tag ihrer Geburt an zwischen Gräsern und in Getreidefeldern. In eben diesen Feldern ...

Anstatt Energiegewinnung aus Sonne, Wind und Erdwärme weiter zu erforschen, zu fördern und zu forcieren wird unser aller natürlicher, autarker Lebensraum immer kleiner.

Treiben wir den Teufel mit dem Belzebub aus?
Ist diese Art von Umweltvergewaltigung im Sinne unseres "Blauen Planeten"?

Kommentare:

dunkelland hat gesagt…

Zitat: "Treiben wir den Teufel mit dem Belzebub aus?"

Ja, da bin ich mir ziemlich sicher. Das tun wir.

Elke K. hat gesagt…

Hallo Dunkelland,
ich hoffe nur, dass in nächster Zeit ein Umdenken geschieht. Denn: Ohne Erdöl gibt es auch keinen Kunstdünger - damit führt sich die ganze BIO-Energie-Erzeugung aus nachwachsenden Rohstoffen ad absurdum. Wir müssen lernen, aus Stroh Energie-Gold und aus Getreide (wieder) Brot für alle zu machen.

bon. hat gesagt…

hi elke,
ich weiß nicht, wie schädlich dieses zeug ist. leider sind diese chemischen manipulationen völlig normal, und unsere kritik wirkt heute beinahe antiquiert und komisch.
die schraube der industrialisierung mit allen negativen erscheinungen läßt sich nicht mehr zurückdrehen. die globalisierung wird den wettbewerb noch anheizen, so dass weiter sehr skrupellos die umwelt ausgebeutet werden wird. ich sehe leider ziemlich schwarz - "die geister, die man rief ..." nun haben wir den salat, und die zukünftigen generationen werden die früchte ernten, die wir säten. vielleicht finden sie einen weg, andere planeten zu besiedeln, wenn die erde kaputt ist. der mensch ist ein fürchterlicher parasit für jedes öko-system. willkommen im club!

gruß
bon.

Elke K. hat gesagt…

Hallo Bon,
Du schreibst:
"nun haben wir den salat, und die zukünftigen generationen werden die früchte ernten, die wir säten. vielleicht finden sie einen weg, andere planeten zu besiedeln, wenn die erde kaputt ist. der mensch ist ein fürchterlicher parasit für jedes öko-system."

Nun ja, ganz stimme ich dem nicht zu. Jeder kann für sich im Kleinen etwas bewerkstelligen.
Und, da bin ich ganz Idealist, die Bewegung um "Permakultur" und daraus resultierenden übergreifenden Öko-Strukturen sind z. B. ein Weg.
Und dann nimm die immer größer werdende Bereitschaft, ökologisch angebaute LEBENS-Mittel aus einheimischen Regionen zu verspeisen, anstatt Weintrauben und Co. die halb um den Globus geflogen werden.
Ich glaube und hoffe jedenfalls, das zukünftige Generationen, rein aus Selbsterhaltungstrieb, umdenken - wir "Ollen" können durch unser Verhalten viel dazu beitragen.
Lieben Gruß
Elke